Bastorf und seine Umgebung sind seit hunderten von Jahren vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Die bis zur Völkerwanderung hier lebenden Germanen und möglicherweise seit etwa 3500 v.u.Z. hier siedelnde frühere Völker waren ebenso Ackerbauern wie die seit 400 bis 700 u.Z. hier sesshaft gewordenen Slawen. Davon zeugen zahlreiche Bodenfunde, auch im Ortsbereich von Bastorf. Schriftliche Quellen gibt es u.a. seit Gründung des Klosters Doberan, welches z.B. im Jahre 1349 vom Dorfe Bastorf die sogenannte Bede einziehen durfte. (Die Bede, auch Beedeill, (mhd. und niederdeutsch [libäte „Bitte, Gebet; Befehl, Gebot") ist im engeren Sinn eine erbetene, freiwillig geleistete Abgabe oder eine regelmäßig erhobene, meist landesherrliche Steuer. Im weiteren Sinn steht Bede auch im Zusammenhang mit Geldern für kirchliche Zwecke.) Nach den mecklenburgischen Bauernlisten des 15. und 16. Jahrhunderts umfasste Bastorf damals 12 Höfe, jedoch niemals einen Großgrundbesitz im Sinne eines Gutshofes.
Im Jahre 1552 wurde das Kloster Doberan aufgelöst, Besitz und Einzug der Ab¬gaben fielen an die Herzöge Mecklenburgs. Lange Zeit war danach strittig, ob Bastorf dem herzoglichen Amt Doberan oder dem Kirchspiel Alt Gaarz (Rerik) die Abgaben zu leisten hatte und leistete sie keinem von Beiden. Aus dem Jahre 1799 ist bekannt, dass in Bastorf 6 Bauern (einer davon war gleichzeitig Schmied), 4 Büdner (Kleinbauern mit ca. 5 ha Land) und ein Dorfschulze mit ca. 65 ha Landwirtschaft betreiben. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen sogenannte Häusler dazu, die hauptsächlich den Berufen Gärtner, Stellmacher, Gastwirt, Tischler, Kaufmann, Schuhmacher, Schneider, Maurer, Weber, Landarbeiter und Waldarbeiter nachgingen und nebenbei eini¬ge Morgen Land bewirtschafteten. Bastorf zählte im Jahre 1864 insgesamt 8 Häuslereien, 6 Bauernhöfe, 6 Büdner, den Hof des Dorfschulzen Sengebusch und eine Gärtnerei. Den Häuslern waren im Jahre 1863 Gärten zugeteilt oder vergrößert worden, davon 3 Vergrößerungen des Gartens am Haus und 5 Neu¬zuteilungen am jetzigen Neuen Ring.
Am 1. April 1876 bekam Bastorf eine Postagentur, welche auch für die Dörfer Brunshaupten und Arendsee (beide sind seit 1938 Kühlungsborn) zuständig war. Von 1876 bis 1878 wurde der Bastorfer Leuchtturm erbaut und am 23.11.1878 mit der Ernennung des Alt-Gaarzer Schiffers Christian Haevernick zum Ober-leuchtturmwärter eingeweiht. In den Jahren 1893 bis 1907 wurde mehrfach versucht, ein zwischen Bastorf und Brunshaupten gelegenes Kreidekalklager zu erschließen und zur Produktion von Baustoffen zu nutzen. In den 1920-er Jahren wurde Kalk abgebaut und nach Arendsee abtransportiert, doch nach wenigen Jahren war die Lagerstätte erschöpft. Das Restloch diente jahrelang den Sinti und Roma (Zigeuner) als Lagerplatz auf ihrer Durchreise. Eine vom Kalkabbau übrig gebliebene Baracke wurde vor 1940 von Arbeitslosen als Unterkunft genutzt. Die Fundamentreste der Mahl- und Verladestation liegen noch heute am Feldrand (Bruch).
Bedingt durch geringe Ausstattung der Kleinbauern und Neusiedler mit Zugtie¬ren, Nutzvieh und Maschinen waren die Erträge —trotz der parallelen Gründung der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe und der Maschinen-Ausleih-Stationen — steigerungsfähig. Zusätzlich sollten die Erfahrungen der sowjetischen Besatzer mit landwirtschaftlichen Kollektivwirtschaften übernommen werden, um die Versorgung der Städte und Betriebe mit Fleisch, Milch und anderen landwirtschaftlichen Produkten zu verbessern. Es begann die Kollektivierung der landwirtschaftlichen Betriebe zu Landwirtschaftlichen Produktions Genossenschaften (LPG), die im Jahre 1954 zur Gründung der LPG „De Eikboom" in Bastorf führte. In den Folgejahren ging der Konzentrations- und Speziali¬sierungsprozess in der Landwirtschaft stürmisch weiter. Die LPG'n in Bastorf, Kägsdorf, Hohen Niendorf und Mechelsdorf (1959 mit Wendelsdorf vereinigt) schlossen sich zur LPG „Der Leuchtturm" mit Geschäftssitz in Bastorf zusammen. Dieser Zusammenschluss nahm zum 1.1.1968 die LPG'n „Ostseewelle" Rerik, „Freie Erde" Zweedorf, „Reiche Ernte" Zweedorf und „Einigkeit" Bastorf auf und firmierte unter dem Vorsitz von Hans-Dietrich Pesch zusammen als LPG „Ostseewelle" Bastorf. Innerhalb dieses Zusammenschlusses fand 1975 eine Spezialisierung in eine LPG Pflanzenproduktion „Der Leuchtturm" Bastorf und LPG Tierproduktion „Ostseewelle" Rerik statt, die beide Mitglieder der Agrar-Industrievereinigung (AIV) Kröpelin (umfasste alle landwirtschaftlichen Betriebe des Kreises Bad Doberan) wurden. Zu dieser AIV gehörte auch eine Kooperative Schafhaltung.
Die Wirkungen dieses Konzentrations- und Spezialisierungsprozesses in Verbindung mit Mechanisierung, Fruchtfolge, Düngung und Einsatz von Agrochemikalien zeigen sich an den Erträgen pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.
| Erzeugnis |
1960 |
1970 |
1975 |
1984 |
| Getreide |
24,5 |
28,4 |
41,6 |
56,3 |
| Raps |
15,4 |
21,8 |
37,2 |
20,9 |
| Kartoffeln |
134 |
215 |
163 |
303 |
| Zuckerrüben |
177 |
229 |
302 |
348 |
| Produkt |
Ertrag |
Ertrag |
Ertrag |
| Milch |
2508 |
3398 |
3191 |
| Rindfleisch |
3708 |
- |
4052 |
| Schweinefleisch |
7103 |
9969 |
13748 |
Mit Beschluss vom 29.Juni 1991 wird die LPG Pflanzenproduktion „Der Leuchtturm" Bastorf in eine Agrargenossenschaft umgewandelt. Den grundlegend veränderten Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion trug die Agrargenossenschaft mit dem Beschluss zur Auflösung der Genossen¬schaft zum 1.Juli 1995 Rechnung. Seit 1991 hat sich unter Nutzung von Gebäuden und Flächen der ehemaligen LPG bzw. Agrargenossenschaft ein Gewerbegebiet in Bastorf entwickelt, in welchem eine Schlosserei, eine Kfz-Werkstatt, ein Fuhrunternehmen, eine Tankstelle, ein Garten- und Landschaftsbau, ein Baubetrieb für Fassaden-und Fensterbau, eine Spaß-Fahrzeug-Vermietung, das inzwischen stillgelegte Technik Center Bastorf und die Bastorfer Bewirtschafts-GbR angesiedelt sind.
Eine Milchvieh-Anlage produziert unter neuen Besitzern weiterhin in Bastorf, ebenso ein Landwirt. Aus der ehemaligen Schälküche ist die Agrar-Frisch GmbH hervorgegangen. Das Kartoffellager der Agrargenossenschaft firmiert weiter als Kartoffellager GmbH. Neu entstanden sind eine Versicherungsagentur, Immobilienverwaltung, ein Gemischtwarenhandel, ein Friseur- und Kosmetik-Shop, ein Maler & Grafiker, eine Handelsvertretung für Enterale Ernährung, eine Heilpraxis, eine Graffiti-entfernung und Fassadenschutz, die Windpark Hohen Niendorf GmbH, das Familienhotel Gutshof Bastorf mit Internetmarketing für Wellnessurlaub und BonBon-Laden, die Eis- und Tortenmanufaktur Valentin mit Café am Leuchtturm, eine Schneiderstube und mehrere Beherbergungsbetriebe.